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| Zwei Odachlose schlafen auf einer Bank. Zwischen 2000 und 2004 stieg die Zahl der Obdachlosen um 217%. (Motti Kimche) |
Im Dezember 2002 kam ein frisch aus dem Spital entlassener, obdachloser Mann zur Stadtverwaltung von Petach Tikva. Die Stadtverwaltung schickte ihn unbegleitet zur staatlichen Sozialversicherung (SV), um dort sein Fürsorgegeld abzuholen. Der Mann kam nie bei der SV an. Gemäss der Bestimmungen des Fürsorgeministeriums sollen Obdachlose begleitet werden, wenn sie ihre Angelegenheiten regeln müssen.
Zwei Monate später, im Februar 2003, wurde der Mann von einer Strassenbande niedergeschlagen und musste wiederum ins Spital eingeliefert werden. Als er beim Verlassen des Spitals zur Verwaltung ging, wurde er unbegleitet zu einer Herberge geschickt. Er kam dort nicht an. Im April 2003 wurde er wieder bei der Stadt vorgeladen, um sein Fürsorgegeld abzuholen, und wieder sandte ihn die Sozialarbeiterin unbegleitet zur SV. Im März 2004 wurde er ermordet.
Die Geschichte dieses Mannes erscheint in einem harten Bericht des staatlichen Rechnungsprüfers über den Umgang von sieben Stadtverwaltungen mit den Obdachlosen in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen.
Mindestens 236 Obdachlose sind in den Jahren 2001-2004 gemäss den statistischen Angaben des Fürsorgeministeriums gestorben.
In den fünf Jahren von 2000-2004 ist die Zahl der dem Fürsorgeministerium bekannten Obdachlosen von 908 auf 2'874 gestiegen, was einer Zunahme von 217% entspricht. Das Ministerium schätzt, dass es in jedem dieser Jahre eine Dunkelziffer von rund 1000 Obdachlosen gab, welche nicht registriert wurden (Das Ministerium nennt sie "Strassenbewohner"). Laut den Statistiken des Fürsorgeministeriums sind in den Jahren, wo die Zahl der Obdachlosen zunahm, die Ressourcen zu deren Unterstützung drastisch zurückgegangen. Wenn im Jahr 2000 das durchschnittliche Budget für eine obdachlose Person noch NIS 5'246 betrug, so waren es 2004 gerade noch NIS 2'162, was einer Kürzung von 59% entspricht.
Die Untersuchung durch den Rechnungsprüfer der sieben Städte - Tel Aviv-Jaffa, Haifa, Ashdod, Ashkelon, Bat Yam, Petah Tikva and Netanya - hat demonstriert, dass die Obdachlosen sich am untersten Ende von deren Prioritätenliste befinden.
Die Stadtverwaltung von Tel Aviv-Jaffa hat nicht existente Hilfeleistungen an Obdachlose rapportiert. Laut Bericht der Stadtverwaltung wurden im Jahr 2004 NIS 5,06 Mio für Obdachlose aufgewendet. In Wahrheit, so sagt der Rechnungsprüfer, hat die Stadtverwaltung nur gerade NIS 1,73 Mio ausgegeben. Mit anderen Worten: die Stadtverwaltung rapportierte Ausgaben von rund NIS 3,33 Mio, die niemals getätigt wurden.
Die Stadtverwaltung von Petah Tikva erzählte dem staatlichen Rechnungsprüfer: "Wegen fehlendem Personal im Department und wegen einer neuen Ordnung von Prioritäten kann der Sozialarbeiter jene nicht begleiten, welche auf der Strasse wohnen, und es wird alles telefonisch erledigt."
Im Februar 2004 starb ein Mann, welcher in einem Grosshandelsgeschäft im Süden von Tel Aviv zu schlafen pflegte. Der Rechnungsprüfer entdeckte, dass die Stadt von ihm wusste. Sie führte eine Akte, in welcher stand, dass der Mann 70 Jahre alt war, als er starb, dass er herz- und lungenkrank war und an Atemnot und Ödemen in den Beinen litt. Im Oktober 2002 entdeckte eine städtische Sozialarbeiterin, dass er keine Zuteilung von der SV erhielt. Trotzdem half ihm die Stadtverwaltung von Tel Aviv nicht, die Pension oder Sozialhilfe zu bekommen, auf welche er Anspruch hatte, und ebensowenig prüfte sie die Möglichkeit, ihm eine Notunterkunft zu vermitteln.
Der Rechnungsprüfer schlägt dem Fürsorgeministerium vor, ein ausserordentliches Verfahren einzurichten, um die Todesfälle von Obdachlosen und deren vorausgegangene Behandlung zu untersuchen.
Zum Beispiel in Tel Aviv, einer von Obdachlosen bevorzugten Stadt, hat die Stadtverwaltung im Jahr 2004 nur acht Rundgänge gemacht, um jene zu lokalisieren. Lediglich die Hälfte davon wurden bei Nacht durchgeführt und nur gerade drei im Winter. Der Rechnungsprüfer stellt fest, dass viele Anrufe betreffs Obdachloser durch besorgte Anwohner über die Hotline der Stadtverwaltung vorgenommen werden, von wo sie an die Fürsorge-Abteilungen weitergeleitet werden. Doch in mindestens fünf der überprüften Städte - Ashkelon, Bat Yam, Haifa, Netanya and Petah Tikva - "gingen (die Angestellten der Departmente) nicht auf die Strasse, um die Situation des betreffenden Strassenbewohners zu überprüfen, noch versuchten sie, ihn von der Strasse wegzubringen.
Als Antwort auf die Kritik schrieb Bat Yam: "Die Stadtverwaltung von Bat Yam mit ihren begrenzten Ressourcen und ihren Versuchen, die schwierige finanzielle Situation zu verbessern, ist ausserstande, den Umfang der Problematik mit ihren eigenen Mitteln abzudecken." Die Stadtverwaltung fügte noch bei: "Die Kosten, eine Ambulanz auszusenden, betragen NIS 500, und auch im Falle eines falschen Alarms sind wir verpflichtet zu zahlen. Mit unserem beschränkten Budget für spezielle Bedürfnisse ist diese Unterstützung nicht auf unserer Prioritätenliste."
Gemäss der Regelungen des Fürsorgeministeriums sollte in einer Kommunalverwaltung mit mehr als 15 Obdachlosen eine oder mehrere fürsorgliche Einrichtungen für diese errichtet werden: ein Aufenthaltszentrum, ein Übergangs-Wohnheim, spezielle Wohnungen, Diagnosezentren, Therapie- und Rehabilitationszentren. In der Praxis wurden in vier der untersuchten Stadtverwaltungen keine solchen Einrichtungen errichtet. Die Stadtverwaltung von Bat Yam sagte, dass die städtische Administration die Errichtung einer Notunterkunft ablehne, denn: "Das ist eine Lösung, welche einerseits hohe Kosten verursacht und andererseits hat die lokale Administration kein Interesse daran, sie in ihrer Gerichtsbarkeit zu haben, weil die Gemeinde nicht genügend stark ist."
Petah Tikva schrieb, dass sie erwägt habe, eine Notunterkunft einzurichten. Sie sei jedoch davon abgekommen, dies im Stadtzentrum zu tun, "denn das wäre ein Ärgernis für die Kaufleute in der Gegend."